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Wildkräuter

Wiesen-Salbei (Salvia pratensis)-

Wiesen-Salbei (Salvia pratensis)

Der Wiesen-Salbei ist eine wärmeliebende Pflanze, die bei uns sehr häufig anzutreffen ist. Man findet ihn auf Halbtrockenrasen, Bergwiesen, Wegrainen und Böschungen. Er liebt lockeren, nährstoffreichen und etwas kalkhaltigen Boden. Da die Wurzeln bis zu 1 m in die Tiefe reichen, erträgt die Pflanze auch zeitweilige Trockenheit. Der Salbei hat sehr charakteristische runzelige, graufilzige Blätter. Dank der am Boden liegenden Rosettenblätter verträgt die Pflanze Beweidung und Mahd sehr gut. Der Wiesen-Salbei hat einen vierkantigen, filzig behaarten Stängel und blau-violette Blüten, die in mehreren „Stockwerken" übereinander sitzen. Die Pflanze trickst ein wenig, um blütenbesuchenden Insekten den Pollen „anzuhängen". Sobald sich das Insekt am Nektar labt, kann die Pflanze ihre gelenkigen Staubblätter und Griffel herabkrümmen und so den Hinterleib der Tiere mit Pollen versehen. Der Salbei enthält ätherische Öle, die der Pflanze ihr charakteristisches Aroma verleihen. Als Futter wird das Kraut wegen seines Geruches und seiner Härte vom Vieh verschmäht.
Der Wiesen-Salbei oder „Wilde Salbei" wird sehr oft als Ersatz für den „Echten Salbei" verwendet, der aus dem Mittelmeerraum stammt und schon sehr lange bei uns als Heilpflanze in den Gärten gezogen wird. In der Volksmedizin wird der Salbei schon seit Alters her hochgeschätzt: Salbeitee ergibt ein gutes Gurgelmittel bei Entzündungen im Mund und Rachen, hilft bei Nachtschweiß und Stresssituationen. Unsere Vorfahren wussten schon um die desinfizierende Wirkung der Pflanze: Früher hat man Salbeiblätter getrocknet und zum Zähneputzen verwendet. In unseren Zahnpasten finden sich heute ebenfalls Salbeiextrakte. Selbst in der Küche kann man die Blätter verwenden, doch sollte Salbei als Würze sparsam eingesetzt werden.
Salbei ist aber nicht nur ein wichtiges Heilkraut, sondern hilft auch bei der „Partnervermittlung": Wenn man drei Löcher in das Salbeiblatt sticht, einige Haare des „Schwarms" gemeinsam mit den eigenen hindurchzieht und dieses Blatt dann unter der Türschwelle des gewünschten Partners vergräbt, kann man ewige Zuneigung erwirken. Das besagt zumindest der alte Zauberglaube - und wer´s nicht glaubt, soll´s ausprobieren!
Aufgeblasenes Leimkraut, Klatschnelke (Silene vulgaris)-

Aufgeblasenes Leimkraut, Klatschnelke (Silene vulgaris)

Am besten erkennt man die Klatschnelke an ihrem Kelch, der aufgeblasen und stark netzadrig ist. Wegen ihres auffälligen Blütenkelchs ist sie auch als „Taubenkropf" bekannt. Vor allem Kinder merken sich diese Pflanze gut, da beim Zerdrücken des Kelches ein klatschendes Geräusch entsteht. Im Volksmund wird die Klatschnelke deshalb auch „Kleschn", „Schnalzerl" oder „Schnalzkraut" genannt. Die Pflanze, die von Juni bis September in Blüte steht, wird von Bienen und Nachtfaltern bestäubt. Die Blütenblätter sind weiß gefärbt und zweispaltig. Stängel und Blätter sind meist bläulich bereift.
Die Klatschnelke findet man auf trockenen Wiesen, in Halbtrockenrasen, in Äckern und auf lichten Standorten in Wäldern. Häufig trifft man sie auch an Wegen, Böschungen und in Gebüschsäumen an. Die Pflanze kann bis über einen Meter tief wurzeln und ist daher auch auf trockenen Standorten gut mit Wasser versorgt. Aus diesem Grund behauptet sich die Pflanze gut auf unwirtlichen Standorten. Die Klatschnelke gilt als „Pionierpflanze", die auf frischen Bodenaufschlüssen „Fuß fassen" kann. Sie ist eine der ersten Gewächse auf Geröllfluren, Steinbrüchen und Bahnschotter.
Die Klatschnelke gehört zu jenen Pflanzen, denen man die Verwendung als Wildgemüse nicht ansieht. Früher hat man die jungen Blätter gesammelt und wie Spinat zubereitet. In Kärnten hört man noch gelegentlich die Volksnamen „Feldspinat" bzw. „Wiesenspinat", die an diese kulinarische Nutzung erinnern. Auch für Suppen und Salate fand das „Grünzeug" früher Verwendung.
Die Klatschnelke ist auch eine alte Volksarzneipflanze. Die Wurzeln, die Saponine enthalten, wurden früher in der Heilkunde eingesetzt.
Echter Wundklee (Anthyllis vulneraria)-

Echter Wundklee (Anthyllis vulneraria)

Die Pflanze ist zwar mit dem Klee verwandt, hat aber völlig anders gestaltete Blätter: Die Stängelblätter sind gefiedert und haben ein auffällig vergrößertes Endblättchen. Die unmittelbar unter dem Blütenstand sitzenden Hochblätter sind fingerartig geformt. Charakteristisch ist der Blütenstand: Die Blüten sind hellgelb und haben rötlich angehauchte Spitzen. Sie sitzen in Köpfchen vereinigt am Ende des Stängels. Der Wundklee ist eine sehr formenreiche Art und tritt in unterschiedlicher Ausprägung auf. Manche Formen blühen schon im späten Frühjahr, andere noch im Frühherbst. Die Pflanze wird vor allem von Hummeln besucht. Den Wundklee findet man in Kalk-Magerrasen und -weiden, an Wegen, Böschungen, Steinbrüchen und Dämmen. Er ist etwas kalkliebend und reagiert empfindlich auf Düngung. Auf sandigem und steinigen Untergrund in warmer Lage fühlt sich die Pflanze besonders wohl. In der Landwirtschaft gilt der Wundklee als gute Futterpflanze und wird vereinzelt als Zwischenfrucht in das Getreide eingesät. Er kann jedoch nur einmal im Jahr geschnitten werden.
Der Wundklee zählt zu jenen Pflanzen, die sich früher großer Beliebtheit in der Volksmedizin erfreut haben. Wie der Name schon sagt, wurde die Pflanze als Heilpflanze bei schlecht heilenden Wunden, bei Geschwüren und offenen Beinen verwendet. Der Tee galt als blutreinigend und wurde außerdem bei Husten und Heiserkeit getrunken. Heute findet die Pflanze kaum noch medizinische Verwendung.
Im Volksglauben zählte der Wundklee zu den sogenannten „Beschreikräutern". Das sind bestimmte Pflanzen, mit deren Hilfe man Verzauberung und Behexung abwenden konnte. In Böhmen gab man dem „behexten" Vieh einen Absud aus Wundklee und konnte auf diese Weise das Unheil abwehren.
Karthäuser-Nelke (Dianthus carthusianorum)-

Karthäuser-Nelke (Dianthus carthusianorum)

Die Karthäuser-Nelke ist in Trocken- und Halbtrockenrasen verbreitet und kommt an sonnigen Hängen, Hügeln und Waldrändern sowie in Trockenwäldern vor. Sie liebt warme, kalkhaltige Fels-, Sand- und Lehmböden und bildet an ihren Standorten meist kleinere, lockere Bestände. Man kann die Pflanze von der Ebene bis in die alpine Stufe antreffen. Die Pflanze hat gegenständige, derbe Blätter, die am Grund zu einer Röhre verwachsen sind. An der sehr schmalen Form und am Wachsüberzug der Blätter kann man bereits ablesen, dass die Pflanze an trockene Lebensräume angepasst ist. Auf diese Weise verkleinert die Pflanze ihre Oberfläche, um die Verdunstung möglichst gering zu halten.
Die Blüten der Karthäuser-Nelke sitzen zu mehreren dicht gedrängt an der Spitze der Pflanze. Sie sind gezähnt und von purpurroter Farbe mit dunklen Adern. In der Regel erblühen meist zwei Blüten gleichzeitig. Die rote Farbe lockt Schmetterlinge an, die für die Bestäubung zuständig sind. Der Kelch und die Hochblätter sind lederartig braun gefärbt. Als Frucht wird eine Kapsel gebildet, die zahlreiche Samen enthält. Die Pflanze ist sehr formenreich und tritt in verschiedenen Variationen auf.
Ihren Namen verdankt die Pflanze angeblich den Karthäuser-Mönchen, die eine besondere Vorliebe für die hübsche Nelke hatten und die Pflanze in ihren Klostergärten angepflanzt haben. Nelken sind typische Modeblumen, die in den vergangenen Epochen mehr oder weniger „in" waren. Aus der Karthäuser-Nelke wurden zahlreiche, gefüllt blühende Zierpflanzen gezüchtet, die heute gerne in den Gärten kultiviert werden.
„Buschnagerl" bzw. „Stoannagerl" (Nagerl=Nelke) werden verschiedene Nelkenarten im Volksmund genannt. Im Zauberglauben wurde die Karthäuser-Nelke wegen ihrer roten Blütenfarbe mit Gewitter, Donner und Blitz in Verbindung gebracht.
Kräutererlebnis in der Heimat-

Kräutererlebnis in der Heimat

Kräuterwanderungen und Kräuterkurse mit Elisabeth Stiefsohn

Lernen Sie die Heimat bei einer geführten Kräuterwanderung als einen spannender Spaziergang durch die Natur mit Impulsen und Anregungen zur Anwedung von Wild- und Heilkräutern, sowie Wildobst kennen. Anschließend werden die gesammelten Köstlichkeiten gemeinsam verarbeitet und verkostet.

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