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Geschichte von Böheimkirchen

von P. Jacobus Tisch OSB

Böheimkirchen ist uralter Siedlungsboden - der heutige Ort entstand um das sogenannte "Hochfeld", auf dem Kirche, Pfarrhof und die Schulen stehen. Dieser Höhenrücken wird von Perschling und Michelbach umflossen, hat Nord-Süd-Ausdehnung und fällt gegen Norden, Osten und Westen steil ab. 1913 fand ein Taglöhner beim Setzen eines Baumes im ehemaligen Pfarrgarten ein Depot von 20 bis 30 Ringbarren aus Bronze, die an einen Trödler verkauft wurden und seither verschollen sind. Die archäologische Untersuchung geschah in mehreren Etappen: Im Zuge von Schul- und Friedhoferweiterungen fanden 1929, 1945-47, 1948/49, 1955, 1973/74 und 1979/80 ausgedehnte Grabungen statt, wobei an die 8 Tonnen Fundgut - Keramiken, Bein- Bronze- und Steinobjekte - geborgen wurden.
Veterovkultur (um 1500 v. Chr.)-

Veterovkultur (um 1500 v. Chr.)

Nach Siedlungsspuren der Jungsteinzeit entwickelte sich der Ort an der Wende von der frühen zur mittleren Bronzezeit zu einem überregional bedeutenden Zentrum. Daher wird heute die süddanubische Lokalgruppe der sogenannten "Veterovkultur" (um 1500 v. Chr.) nach dem bedeutendsten Fundort als "Böheimkirchner Gruppe" bezeichnet. Um diese Zeit standen einer großen Anzahl von Weiler- und Dorfsiedlungen in den Niederungen einzelne zentrale Produktionsstätten und Handelsknotenpunkte in Höhenlage gegenüber. Die Böheimkirchner Höhensiedlung umfasste den 170 m langen Nord-Teil des Hochfeldes (etwa 22.000 m²) und war geschützt durch eine Abschnittsbefestigung in Form eines Innenwalles und Außengrabens. Nach urnenfelderzeitlicher Siedlungstätigkeit (um 750 v. Chr.), latènezeitlichen (400-15 v. Chr.) Spuren und solchen der römischen Kaiserzeit, wurde ab dem 9. Jh. das Hochfeld von slawischer Bevölkerung besiedelt. Damals betrieb man, scheinbar im Zuge reger Neubautätigkeit, an den frühbronzezeitlichen Hausfundamenten Steinräuberei.
Boemani - Bayernherzog Heinrich der Zänker - Bistum Passau (985)-

Boemani - Bayernherzog Heinrich der Zänker - Bistum Passau (985)

Im Zusammenhang mit einem öffentlichen Gerichtstag, wo Bayernherzog Heinrich der Zänker dem Bistum Passau 985 seine Rechte bestätigte, tritt Böheimkirchen ins Licht der schriftlich überlieferten Geschichte. Die Notiz spricht von "Persnicha, wie es Wilhelm zu eigen besaß, und wo gegenwärtig dort siedelnde Böhmen die Felder bestellen". Der Ort hieß damals - wie in der Frühzeit häufig - nach dem Fluss, an dem er liegt. Weiter ist gesagt, dass er früher einem gewissen Wilhelm gehörte. Die nicht nur an der Perschling reich begüterten Wilhelminer gehörten ab ca. 820 zu den führenden Grafengeschlechtern der karolingischen Mark. Nach ihrem Aussterben 893 kam wilhelminischer Besitz an der Perschling beim späteren Böheimkirchen an Kremsmünster, von wo er im 10. Jh. dann an Passau überging.

Wer aber waren die genannten "Boemani"? Die kriegerische Expansion des großmährischen Reiches, die dem Wilhelminergeschlecht den blutigen Untergang bringen sollte, hatte bereits 845 dazu geführt, dass 14 Edelleute aus Böhmen nach Regensburg geflüchtet waren und sich hier taufen ließen. Die Quellen schweigen zwar über deren weitere Schicksale, doch ist anzunehmen, dass ihnen und ihren Gefolgsleuten Siedlungsgebiete zugewiesen wurden - Leute, die Felder bestellen, waren sicher gefragt. Der Umstand, dass die Wilhelminer mit Regensburg sehr verbunden waren und jenem Hochstift bereits 834 andere Güter an der Perschling gegeben hatten, legt die Vermutung nahe, in den 845 Getauften die Vorfahren der Boemani von 985 zu sehen. Wenn diese böhmischen Siedler dann aber Christen waren, ist wahrscheinlich, dass man ihnen eine Kirche errichte -nach dieser Kirche, wo die Böhmen daheim sind, sollte der Ort künftig heißen. Somit ist die Entstehung des frühmittelalterlichen Böheimkirchen um 850 anzusetzen.
Pehaimschirchen  (11.Jahrhundert)-

Pehaimschirchen (11.Jahrhundert)

Das nächste Mal wird Böheimkirchen im Zusammenhang mit der Pfarrgründung im 11. Jh. schriftlich erwähnt. Dabei nimmt der Ortsname "Pehaimschirchen" deutlich Bezug auf die "Boemani" von 985. Das Totenbuch des Chorherrenstiftes St. Pölten (heute Dom) sagt von den Passauer Bischöfen Engelbert und Berengar, dass sie um 1045 neben Kapellen und Christophen dem Kloster auch die Pfarre Böheimkirchen als Seelsorgsprengel übergeben haben. Als Stiftspfarre blieb Böheimkirchen mit St. Pölten bis zu dessen Aufhebung 1784 verbunden. In einer päpstlichen Bestätigungsurkunde von 1180 ist Böheimkirchen einwandfrei als Pfarre ausgewiesen, ebenso 1248, wo als Filialkirchen Außerkasten (St. Peter am Anger), Kasten, Lanzendorf, Schildberg und Stössing angeführt sind. Neben dem Tauf- und Begräbnisrecht bestand im Hochmittelalter der Primat einer Pfarrkirche hauptsächlich in der Aufsichtspflicht über die im Pfarrbereich befindlichen Kirchen, Kapellen und deren Priester. Die ersten namentlich bekannten Pfarrer sind Dieprand, der 1130 für die Errichtung der Pfarre Kirchstetten entschädigt wird sowie Perhard, der 1202 erwähnt ist. 1285 ist mit dem Kleriker Christian der erste Kaplan genannt, der den Pfarrer bei der Seelsorge in seinem großen Sprengel unterstützen sollte. Noch im 13. Jh. dürfte die Böheimkirchner Pfarrschule entstanden sein, wenn auch erst 1532 ein Schulmeister belegt ist.
Öden Schloss-

Öden Schloss

Der weltliche Herrschaftssitz Böheimkirchens lag etwas außerhalb beim sogenannten "Öden Schloss". Aus der Hauptterrasse des linken Ufers der Perschling ist dort ein großer, mit Graben und Wall umfangener, Hausberg herausgeschnitten. Die Burgherren, die uns seit 1197 als "Schenken von Wolfsberg" begegnen, standen im Lehensverhältnis zu den Passauer Bischöfen und gehörten als Mundschenken zum engsten Kreis der Lengenbacher. Als die Herren von Wolfsberg nach 1381 ausstarben, gehören Burg und Ort Böheimkirchen unter anderem seit 1450 dem Albrecht von Ebersdorf, Gefolgsmann König Friedrich III., der jedoch 1458 diese Güter an die Herren von Zelking weiterverkauft. 1456 wird Wolfsberg als "gebrochene Feste" bezeichnet - die Burg verfiel, während man den dazugehörigen Besitz von anderen Orten aus verwaltete. Es gibt von Wolfsberg zwar keine Bilder, doch anhand einer alten Ansicht der ebenso verschwundenen Burg Heitzing bei Murstetten können wir uns gut vorstellen, wie so ein kleiner hochmittelalterlicher Herrschaftssitz ausgesehen haben mag.
Markt (1443)-

Markt (1443)

Seit 1443 wird Böheimkirchen als "Markt" bezeichnet. Obgenannter Albrecht von Ebersdorf erreichte 1451 bei seinem Herrn Friedrich III. für Böheimkirchen zusätzlich die formale Verleihung eines Jahr- und Wochenmarktes, wobei ersterer um Jakobi und letzterer jeden Montag stattfinden sollte. Zur selben Zeit werden in Böheimkirchen erste bürgerliche Gewerbe fassbar: 1445 sind Fleischbänke und zwei Mühlen genannt, 1447 ein Bäcker und das Badhaus. An der Wende zum 16. Jh. erweiterte man den Markt, indem der Haupt- und Marktstrasse im Norden die "Neustift" (Neustiftgasse) als planmäßiges Straßendorf angefügt wurde. Aus dieser Zeit ist uns im Böheimkirchner "Banntaidingbuch" ein wertvolles Dokument zur Wirtschafts- und Rechtsgeschichte des Marktes erhalten. Diese Banntaidingbücher, auch Weistümer genannt, haben ihren Ursprung in den Rechtssatzungen, die bei Taidingen (Versammlungen aller hausbesitzenden Männer) festgesetzt wurden.
Aufstrebender Marktort-

Aufstrebender Marktort

Böheimkirchen hatte sich am Ende des Mittelalters zum aufstrebenden Marktort entwickelt. 36 grundbesitzende Bürger unterstanden der Herrschaft Wolfsberg - aus ihnen wählte man Richter und Rat. Vier Häuser am Berg hatten den Pfarrer als Grundherrn. Außerdem gab es noch Kirche, Pfarrhof, Schule, Rathaus, Halterhaus und vier Kellerhäuser am Marktplatz. Richter und Rat konnten über den Markt mit seinen an die 50 Häusern die niedrige Gerichtsbarkeit ausüben, was kleinere Delikte, wie Streitigkeiten, Körperverletzungen und Diebstähle sowie administrative Aufgaben wie Hausübergaben und Verkäufe betraf. Schwere Verbrecher waren vom Marktrichter zwar dingfest zu machen, aber an einem festgesetzten Ort dem Landrichter zu übergeben. Sichtbares Zeichen der niederen Gerichtsbarkeit war der in josephinischer Zeit verschwundene Pranger am Marktplatz bei der Kirchenstiege. Für den damaligen Wohlstand Böheimkirchens steht nicht zuletzt der selbstbewusst angegangene Umbau der Pfarrkirche, wo mit dem herrlichen Presbyterium über einer Krypta noch 1518 ein Kirchenneubau von beachtlicher Dimension und Qualität begonnen wurde.
Türkeninvasion (1529)-

Türkeninvasion (1529)

In den folgenden Jahren wurde Böheimkirchen in Krisen hineingezogen, die seine spätmittelalterliche Blütezeit jäh beendeten. Die Türkeninvasion von 1529, die völlig überraschend über das Land hereinbrach, hatte für große Teile Niederösterreichs fatale Folgen. Auch Böheimkirchen war unter den leidtragenden Orten. In einer Steuerschätzung des Jahres 1530 heißt es: "diser margkt (sei) ausgebrent worden." Noch 1558 war der Pfarrhof "ödt und abgepauth" - um die Bürgerhäuser wird es kaum besser gestanden sein. Eine Konsequenz des Türkenkrieges war die landesfürstliche Anordnung, Kirchhöfe zu befestigen, was im 16. Jh. auch in Böheimkirchen geschehen ist. Unter dem Verputz der nördlichen Friedhofmauer findet sich eine Reihe vermauerter Schlüssellochscharten und der Wehrturm an der Nordostecke des Friedhofes wurde erst vor einigen Jahren renoviert.
Reformation und Türkenkrieg-

Reformation und Türkenkrieg

Die zweite Krise war die Reformation. Schon 1527, zehn Jahre nach Luthers Thesen, beklagt sich der Böheimkirchner Pfarrer Christoph Seidl über Streitigkeiten und Beleidigungen seitens des Herrn David von Trauttmansdorff auf Totzenbach. Bald wurde dort der katholische Pfarrer vertrieben und ein Prädikant eingesetzt, womit in Totzenbach für hundert Jahre ein protestantisches Zentrum entstand. Nach 1560 finden sich auch in Böheimkirchen Geistliche, die ganz selbstverständlich protestantischen Vorstellungen folgten. Nachdem das Stift St. Pölten seine innere Krise überwunden hatte, ist 1586 mit dem Chorherrn Matthias Leopold in Böheimkirchen wieder ein katholischer Pfarrer bezeugt. Nach Jahrzehnten der Verwüstung dürfte Leopold auch den Pfarrhof neu gebaut haben - ein schöner Einsäulenraum der Spätrenaissance, der als einziger, denkmalgeschützter Bauteil des alten Pfarrhofes erhalten blieb, stammt aus seiner Zeit.

Nach Aussterben der Herren von Zelking wurde 1639 die freigewordene Herrschaft Wolfberg samt Böheimkirchen mit der Herrschaft Totzenbach vereint. 1670 wies man den 50 Böheimkirchner Familien für den Kriegsfall das befestigte Schloss Totzenbach als Zufluchtsort zu. Als im Juli 1683 ein türkisches Riesenheer Wien einschloss, überfielen tartarische Reiter mit unheimlicher Schnelligkeit das Land. Viele Orte wurden verwüstet, so auch Böheimkirchen, wo nach dem Schadensverzeichnis von 1684 neben Kirche und Pfarrhof auch 23 Bürgerhäuser abgebrannt waren, die restlichen geplündert. Der Türkenkrieg unterbrach sogar die Führung der Pfarrmatriken - "Juli, August und halber September bleiben leer wegen des Türkenkrieges" heißt es in Böheimkirchen. Nur vier sind als Opfer namentlich angegeben - "diese alle vier sind von den türcken und tatarn jemerlich zerhauen und umgebracht worden und nach vollendetem rummel in allhiesigem freudhoff begraben worden." Mit den kaiserlichen Siegen über die Osmanen war die große Angst, die seit 1529 die Menschen überschattet hatte, jedoch vorbei. Die Entfaltung des Barocks, die von Kirchen und Adelsschlössern in die Häuser der Bürger und Bauern ausstrahlte, war nicht zuletzt Ausdruck dieser Befreiung.
Barockzeit-

Barockzeit

Die bleibende Tat der Barockzeit in Böheimkirchen ist vor allem der großzügige Kirchenumbau der Jahre 1731-34. Die Initiative dazu ging vom Stift St. Pölten aus. Wie ein zeitgenössisches Ölgemälde im oberen Kreuzgang des St. Pöltner Domes beweist, war auch eine imposante Westfassade mit barockisiertem Turm geplant, wozu es aus Kostengründen aber nicht kam. 1732 wurde auf Grund eines Gelöbnisses das Standbild des hl. Johannes von Nepomuk beim Steg über den Michelbach errichtet. 1752 rief das Zusammenwirken von Bürgerschaft und Herrschaft am Gries (bei der Einmündung der Hainfelderstraße in die Hauptstraße) ein Spital ins Leben. Solche Fürsorgeeinrichtungen hatten die Funktion von Altersheimen. Das Böheimkirchner Spital besaß eine den hl. Friedrich und Florian geweihte Kapelle, in der die Pfründner täglich bestimmte Gebete für die Bürgerschaft zu verrichten hatten. Im 18. Jh. ist auch eine sicher schon länger bestehende Bürgergarde belegt. Ihre Aufgabe bestand in der Abwehr von Feuersgefahr genauso, wie dem Ausrücken zu kirchlichen Prozessionen; dafür bekam sie 1750 eine neue Fahne. Um diese Zeit ist Böheimkirchen ein regionales Wirtschaftszentrum - das Grundbuch der Herrschaft Wolfsberg nennt für das Jahr 1746 im Markt folgende 20 Gewerbetreibende: jeweils ein Bader, Kaufmann, Eisenhändler, Hufschmied, Wagner, Stricker, Tuchmacher, Weber, Riemer und Schneider, weiter je zwei Mühlen, Schuster und Bäcker, drei Fleischer und das Stegwirtshaus. Neben den üblichen Gebühren bezog der Markt noch Einkünfte aus der Benützungsgebühr für den gemeindeeigenen Ziegelofen und aus dem Standgeld zweier (nur regional bedeutender) Jahrmärkte zu Jakobi und Jubilate ( 3. Sonntag nach Ostern).
erschröckliche gewässer durch den ganzen markht geloffen (1756)-

erschröckliche gewässer durch den ganzen markht geloffen (1756)

Es gab auch Rückschläge, wo die Menschen Naturkatastrophen, Wasser- und Feuersgefahr, welche die Mühen von Jahrzehnten zunichte machten, hilflos gegenüber standen. So berichtet die Chronik, dass am 22. August 1756 das "erschröckliche gewässer durch den ganzen markht geloffen" sei. 1757 und 1758 faulte das Getreide auf den Feldern - die Folge waren Missernte und Not. Großes Aufsehen erregte am 20. August 1749 ein Heuschreckenschwarm der die Sonne verfinsterte und die Erde bedeckte: durch Glockengeläute, Schüsse und allerlei anderen Lärm konnten die Schädlinge zum Weiterflug bewegt werden. Die schlimmsten Heimsuchungen aber waren die häufigen Brände, die infolge der Stroh- oder Schindeldeckung und engen Bauweise der Häuser sowie wegen völligen Mangels an Löschgeräten zur Katastrophe werden konnten: Am 25. März 1734 brannte der gesamte Markt bis auf drei Häuser nieder. Ein Brand im Jahr 1749 beschränkte sich auf zwei Häuser, doch am 22. Juni 1786 wurde wieder nahezu der gesamte Markt inklusive Kirche, Pfarrhof, Schule und Rathaus ein Raub der Flammen. Nur einige Häuser der Florianigasse und die letzten drei der Neustiftgasse blieben verschont. Kein Wunder, dass im Jahr 1700 vom Rat beschlossen wurde, "daß am tag St. Florians, das ist den vierten May, ein hl. ambt gehalten wurdt, auch jährlich diss geschehen sollte, damit uns dieser hl. Patron vor aller feuers noth beschützen wollte." Wohl aus dem selben Grund wählte man den hl. Florian auch als Motiv für das Markt- und Gemeindesiegel.
Invasion der napoleonischen Armeen (Beginn 19. Jahrhundert)-

Invasion der napoleonischen Armeen (Beginn 19. Jahrhundert)

Am Beginn des 19. Jh. steht die Invasion der napoleonischen Armeen. Diese für die Betroffenen gewiss unerfreuliche Konfrontation mit der Weltgeschichte hat sich im Gedächtnis der Menschen fast ebenso tief eingegraben, wie die Türkennot; trotz mancherorts schwerer Übergriffe und Brandschatzungen hielten sich in Böheimkirchen die Verluste an Menschenleben und Gütern in Grenzen: Im November 1805 erpressten französische Soldaten vom Marktrichter wiederholt Geld; ein Inwohner (Bewohner ohne Bürgerrecht) wurde von Plünderern erschossen. Im Mai 1809 waren die meisten Marktbewohner vor den anrückenden Franzosen geflüchtet, ihre leerstehenden Häuser plünderten durchziehende Soldaten. Sogar die Pfarrkirche wurde aufgebrochen und verwüstet. Zum Glück brach bei all dem kein Feuer aus.
Brücken über Michelbach und Perschling (1833/34)-

Brücken über Michelbach und Perschling (1833/34)

1833/34 versetzte man die Straße Neulengbach - St. Pölten in befahrbaren Zustand, wobei in Böheimkirchen Michelbach und Perschling erstmals Brücken erhielten - bis dahin hatte es nur Furten und Fußgängerstege gegeben. Ein anschauliches Bild des biedermeierlichen Böheimkirchen zeichnet Franz Schweickhardt in seinem Buch "Darstellung des Erzherzogthums Österreich unter der Enns" von 1836. Der Ort war mit 55 Häusern nicht wesentlich größer als im Spätmittelalter, die Einwohnerzahl betrug 424 Personen in 93 Familien. Weiter schreibt er: "Die Markt-Einwohner sind größtenteils Handwerker, worunter sich ein Wundarzt, dann eine Mauth und drei Gasthäuser befinden... Böheimkirchen, ein gut gebauter freundlicher Markt, ohne Mauern, besteht aus einer Gasse und zwei unbedeutenden Nebengassen, wovon die Häuser meist einstöckig und mit Ziegel gedeckt sind..." Nach der Märzrevolution von 1848 traten an die Stelle der alten Grundherrschaften autonome Gemeinden. Der Gemeinde Böheimkirchen wurden neben dem Markt folgende Ortschaften zugeordnet (in Klammer die Häuserzahl): Außerkasten (16), Blindorf (4), Dorfern (8), Dürnhag (6), Furth (12), Gemersdorf (7), Grub und Eggenberg (5), Hinterberg (12), Hinterholz (5), Hub (4), Kollersberg (4), Lanzendorf (19), Mechters (23), Plosdorf (7), Reith (17), Röhrenbach (4), Siebenhirten (13), Untertiefenbach (9), Weisching (22) und Wiesen (17) - insgesamt 1842 Einwohner.
Postamt (1851), Westbahn (1858)-

Postamt (1851), Westbahn (1858)

In den folgenden Jahrzehnten entstanden kommunale Einrichtungen, die heute nicht wegzudenken sind: 1851 wurde das Postamt eröffnet, 1858 die Westbahn, die Böheimkirchen mit der Bahnstation den Anschluss an die große Welt brachte und es zur beliebten Sommerfrische machte. Durch das Reichsvolksschulgesetz von 1869 hörte die Bindung der Schule an die Kirche auf - sie wurde von der Gemeinde übernommen und bis 1894 auf sechs Klassen erweitert. In den sechziger und siebziger Jahren legte Oberlehrer Franz Schmidl den Park mit seiner stattlichen Lindenallee an. 1873 erfolgte die Gründung der Feuerwehr, seit 1877 gibt es den Gendarmerieposten. 1897 baute man an der Stelle des Alten das gegenwärtige Rathaus. 1910 zählte der Markt bereits 907 Einwohner in 97 Häusern - Einwohner- und Häuserzahl ist im verstrichenen Jahrhundert also auf das Doppelte gestiegen.
Erster und zweiter Weltkireg-

Erster und zweiter Weltkireg

Im Ersten Weltkrieg starben 72 Soldaten aus Böheimkirchen. Dem Kriegsende folgten der Untergang der Donaumonarchie sowie Not und Inflation. Trotzdem gab es erstaunliche Fortschritte: 1920 wurde eine Lichtgenossenschaft gegründet, die Markt und umliegende Orte mit Strom versorgen sollte und die Gemeinde gab Gutscheine zur Linderung der Kleingeldnot heraus.1926 errichteten die Kreuzschwestern aus Laxenburg einen Kindergarten, ein Kino entstand und es kam zur Gründung der Bürgerschule, die 1929 auf 12 Klassenzimmer erweitert und zur Hauptschule umgewandelt wurde. 1938 hörte Österreich zu bestehen auf. Im Zweiten Weltkrieg des Naziregimes starben 202 Böheimkirchner an der Front und etwa 230 Menschen im Gemeindegebiet bei den Rückzugsgefechten des Jahres 1945.
Neues Marktwappen (1952)-

Neues Marktwappen (1952)

Mit Übergabe des neuen Marktwappens und Spatenstich zur Jubiläumssiedlung gedachte man 1952 der Pfarrgründung vor 900 Jahren. Überhaupt setzte seit den fünfziger Jahren eine Bau-Hochblüte ein, so dass der Markt inzwischen über 500 Häuser und 1881 Einwohner zählt. Das Jahr 1971 brachte die Vereinigung der ehemals selbständigen Gemeinde Jeutendorf mit Böheimkirchen. In den folgenden Jahren wurden unter anderem neu gebaut: Pfarrzentrum, Hauptschule mit Hallenbad, Rot-Kreuz-Haus, Feuerwehrzentrale, Gendarmerieposten sowie die Kindergärten in Stockhofstraße und Aufeldstraße. Denkwürdig war das Jahr 1985, wo Böheimkirchen 1000 Jahre seit seiner ersten urkundlichen Nennung feierte. Seither hat Böheimkirchen weiteren Aufschwung genommen indem es 1988 einen eigenen Autobahnanschluss bekam, ein florierendes Betriebsgebiet erschloss, den Markt neu gestaltete und verschiedene Initiativen zur Belebung des Ortskernes setzte.
1000 Jahre Böheimkirchen (1985)-

1000 Jahre Böheimkirchen (1985)

Wer mehr über Böheimkirchens Geschichte wissen will, dem sei als profundes Werk empfohlen: Wolfgang Häusler: "Geschichte von Böheimkirchen", Böheimkirchen 1985. Dort ein ausführliches Verzeichnis der Quellen und weiterführenden Literatur - erhältlich am Gemeindeamt in 2 Varianten:
normale Ausführung um 22 €, mit Ledereinband um 37 €

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