Landschaften
Mittwoch, 01. Juli 2009 um 11:28
Böheimkirchen hat Anteil an zwei Großlandschaften - dem nördlichen Alpenvorland im Großteil des Gemeindegebiets und den Flysch-Voralpen mit einem kleinen Anteil im Süden der Gemeinde. Geologisch zählt das Alpenvorland zur Molassezone, wo ein frühzeitliches Meer im Zeitalter des Tertiärs verschiedene Sedimente (Tone, Sande, Schlier) hinterlassen hat. Die Flyschzone ist eine schmale Zone am Nordrand der Alpen und besteht hauptsächlich aus Sandsteinen, Tonen und Mergeln. Im jüngsten Erdzeitalter, dem Quartär, wurden die Landschaften durch Ablagerungen von Schottern, Lehm und Löss überprägt. Wichtige Landformenbildner sind dabei die Flüsse, etwa Perschling und Michelbach, die für Böheimkirchen besonders bedeutendsame Talungen geschaffen haben. Auch die Hochterrassenreste, z. B. das Hochfeld im Ortsgebiet von Böheimkirchen, auf dem schon frühzeitliche Besiedlungen nachgewiesen wurden, stammen von eiszeitlichen Flussablagerungen.
Alpenvorland
Die sanften Hügellandschaften des Alpenvorlandes, die guten Böden und das ausgeglichene, milde Klima bieten der Landwirtschaft sehr gute Voraussetzungen. So ist es nicht verwunderlich, dass die agrarische Nutzung schon seit Jahrhunderten der bedeutendste Faktor für die Ausprägung der Landschaften darstellt. Wälder beschränken sich im Gebiet hauptsächlich auf einzelne Kuppenlagen (z. B. Schildberg, Haspelwald). Mit den Rahmenbedingungen der modernen Landwirtschaft und der Spezialisierung der Betriebe auf Getreidebau und Schweinezucht sind in Böheimkirchen großschlägige Ackerbau-Landschaften entstanden. Strukturreiche, kleinteilige Landschaften sind nur noch lokal, als Relikte von alten Kulturlandschaften anzutreffen. Dazu zählen die alten Weinbau-Landschaften des Kronbergs und der Abhänge des Schildbergs bei Mechters. Feuchtlandschaften sind im Alpenvorland noch seltener und eigentlich fast völlig verschwunden. Durch die Regulierung der Fließgewässer werden die Talböden hauptsächlich für den Ackerbau und als bevorzugter Siedlungsraum genutzt. Ebenso sind die ehemals feuchten Muldenlagen der Hügelländer durch Drainagierungen und Bachbegradigungen entwässert worden. Die Feuchtlandschaft in Maria Jeutendorf stellt als Überbleibsel eine regionale Besonderheit hat.
Flysch-Voralpen
Vom Alpenvorland kommend fällt einem der größere Anteil der Wälder in der bergigeren Flysch-Zone sofort auf. Hier sind Rinderhaltung und Milchwirtschaft ein bedeutender Faktor, dementsprechend gibt es noch deutlich mehr Wiesen. Wichtige ökologische Strukturen, wie Hecken und Baumreihen sind stärker als im Vorland vorhanden und die kleineren Bäche sind zum Großteil noch in ihrem ursprünglichen Charakter erhalten. Was sich gegenüber früheren Zeiten gewandelt hat, ist die Intensität der Grünlandnutzung. Extensiv genutzte Blumenwiesen sind auch hier nur noch selten anzutreffen. Die Wiesenlandschaft am Abhang des Eichberges nach Außerkasten beherbergt aber noch eine Reihe von artenreichen Trockenwiesen und zählt somit ebenfalls zu den schützenswerten alten Kulturlandschaften.
Alte Kulturlandschaften
Alte Kulturlandschaften zeichnen sich häufig durch Kleinteiligkeit und hohen Strukturreichtum aus. In früheren Zeiten war die Landwirtschaft auf Selbsterhaltung (Subsistenz) ausgerichtet, viele verschiedene Nutzungen prägten die Landschaft. In den Landschaften des Kronbergs, am Südhang bei Mechters oder bei Außerkasten sind noch Relikte aus dieser Zeit zu finden. Hier sind die alten Flurformen erhalten, wie sie etwa schon im Franziszäischen Kataster aus dem 19. Jahrhundert zu sehen sind. Der Strukturreichtum mit verschiedenen Landschaftselementen wie Feldgehölzen, Hecken, Rainen und Baumreihen sowie die extensive Nutzung (Acker, Wiesen, Wein) sind auch ein wesentlicher Faktor für die Reichhaltigkeit an Lebensräumen. Alle drei Landschaftsräume sind geprägt von der Südexposition und der damit verbundenen Wärmegunst und Trockenheit der Böden. Wärmeliebende Wald- und Strauch- und Saumgesellschaften, artenreiche Trockenwiesen mit Halbtrockenrasen auf extremen Standorten kennzeichnen den Raum. Am Kronberg und bei Mechters gibt es die südlichsten Standorte des Weinbaus im Alpenvorland Niederösterreichs.
Feuchtlandschaften
Im Gegensatz zu den Trockenlandschaften auf meist steileren, flachgründigeren Hängen lassen sich feuchte bzw. nasse Standorte etwa durch Drainagierungen und Bachregulierungen leichter in intensiver nutzbare Flächen verwandeln. Dies hat zur Folge, dass Lebensräume wie Feuchtwiesen und Röhrichte aus unseren Agrarlandschaften (vor allem im Alpenvorland) fast zur Gänze verschwunden sind. Umso größer ist die Bedeutung der Restflächen, die man vereinzelt antreffen kann - so z. B. in Maria Jeutendorf. Hier gibt es in einem flachen Muldental ein ausgedehntes Schilfröhricht, alte Kopf-Weiden, einen kleinen Tümpel und einen schmalen Feuchtwiesenstreifen. Diese Feuchtlandschaft beherbergt neben regional seltenen Feuchtwiesenpflanzen, wie verschiedenen Seggen-Arten auch Raritäten aus der Tierwelt, wie den Wiesenknopf-Ameisenbläuling oder eine kleine Population des Laubfrosches. Überdies ist der kleine Ort neben seinen reichhaltigen Natur-Schätzen auch wegen der Durchmischung von klerikalen (Kloster mit Hostienbäckerei und Ikonenmalerei), feudalen (Schloss mit Park und Gutshof) und bäuerlichen Strukturen (alte Bauernhöfe) besonders reizvoll.


